Über mich
Mein Leben mit dem Funk begann mit ca. zehn Jahren, als ich mir von meinem ersten ersparten Geld zwei „Walkie-Talkies“ kaufte. Die Möglichkeit, ohne Kabel zu kommunizieren, faszinierte mich so sehr, dass ich gleich auf ein Gerät mit einer höheren Reichweite sparte. Mit zwölf Jahren war es dann so weit, und ich nahm meine erste Funkstation mit einer Reichweite von ca. 30 km in Betrieb. Auch das war mir schnell zu wenig. Ich erfuhr von einem Bekannten, dass es die Möglichkeit gäbe, bei der damaligen Bundespost (heute Bundesnetzagentur) eine Prüfung zum Amateurfunkdienst abzulegen. Mit dem Bestehen der Prüfung erhielt man dann die Genehmigung, über die ganze Welt zu funken. Damit stand mein Entschluss fest, allerdings musste ich noch warten, bis ich 14 Jahre alt war, da dies damals das Mindestalter war. Ich nutzte die Zeit, um weitere Erfahrungen in der Funktechnik und Elektronik zu sammeln. Besonders sichtbar wurde dies am Ausbau meines Fahrrades. Als es dann soweit war, bestand ich die Prüfung auch gleich beim ersten Mal.

Sommer 1992: Ulrich Weiner telefoniert mit einem Siemens P1 über das neue D1 Netz der Telekom. Im Vordergrund sein Funkfahrrad
Von da an hatte ich eine „Amateurfunk-Sendegenehmigung“ und konnte jedenfalls theoretisch über die ganze Welt funken. Die notwendigen Geräte dafür waren für mich aber erst einmal finanziell nicht zu stemmen, und so begann ich wieder Geld zu sparen. Um das zu beschleunigen, bemühte ich mich um allerlei Jobs. Dabei bekam ich die Möglichkeit, neben der Schule Autotelefone einzubauen. Das machte mir natürlich sehr viel Freude, und zudem hatte ich immer mit den neuesten Modellen von Mobiltelefonen zu tun. So war sehr schnell klar, dass das mein Gebiet ist, und ich ging mit 16 Jahren in die Lehre zum Kommunikationselektroniker mit der Fachrichtung Funktechnik. Noch im letzten Lehrjahr beantragte ich einen Gewerbeschein und gründete mit 18 Jahren meine eigene Firma. Zunächst verkaufte ich Mobiltelefone und die ersten Handys. Später kamen auch ISDN-Telefonanlagen dazu. Die Nachfrage war sehr groß, und so wuchs alles recht schnell an. Mit 20 Jahren hatte der Betrieb bereits ca. 20 Mitarbeiter. Ich selber war sehr viel im Außendienst bei den Kunden vor Ort. So nutzte ich die Autotelefone und das Handy sehr intensiv. Mein Auto hatte sehr schnell den Spitznamen „Igel“ erhalten, weil es zwischen sieben und 15 Antennen auf dem Dach hatte, je nachdem, was ich gerade mal wieder am Ausprobieren war. Der Name war natürlich völlig berechtigt, da alles eingebaut war, was damals technisch möglich war. So gehörte ein Faxgerät genauso dazu wie ein mobiler Internetanschluss. Allerdings war dieser für heutige Verhältnisse sehr langsam und zudem damals nicht so wichtig, da die meiste Kommunikation über Fax und Telefon ging. Über gesundheitliche Auswirkungen der Funktechnik machte ich mir keine Gedanken, da ich immer dachte, wenn es wirklich gefährlich wäre, dann wäre es sicher verboten. Lediglich bei der Einführung der digitalen D-Netze gab es immer wieder Warnungen von einigen Ärzten und auch von Technikern aus meiner Umgebung. Sie sagten: „Pass mit der digitalen Funktechnik auf, es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass das ungefährlich ist!“ Gehört habe ich das öfter, aber Gedanken habe ich mir keine darüber gemacht und munter weiter mit dem Handy telefoniert. Dies ging auch viele Jahre gut, bis es eines Tages damit begann, dass ich nach jedem Handytelefonat mich kaum mehr konzentrieren konnte. Ich wollte das erst nicht wahr haben und begann gezielt mit eigenen Tests. So verzichtete ich an mehreren Tagen ganz auf das Handy, um zu sehen, ob das etwas mit meiner Konzentration zu tun hatte oder nicht. Und tatsächlich, an den Tagen, an denen ich auf das Handy verzichtete, konnte ich mich um ein Vielfaches besser konzentrieren und mehr leisten als an den Tagen, an denen ich mit dem Handy telefonierte. Ich probierte dies über viele Wochen immer wieder aus, bis ich mir eingestehen musste, dass es da einen eindeutigen Zusammenhang gab. Ich fasste den Entschluss, den ganzen Betrieb so umzustrukturieren, dass wir ohne Handys arbeiten konnten. Das gelang sehr gut, und wir konnten durch einige Optimierungen nicht nur die Handynutzung auf Null reduzieren, sondern auch noch unsere Leistungsfähigkeit und die Umsätze steigern.
Leider verbreiteten sich die Handys sehr schnell, und so kamen immer mehr neue Sendemasten dazu. So machte ich sehr schnell Bekanntschaft mit dem Phänomen des „Passivtelefonierens“. Jedes Mal, wenn jemand in meiner Nähe mit einem Handy telefonierte, bekam ich die gleichen Symptome wie wenn ich selber telefonierte. So musste ich lernen, diesem so gut es ging auszuweichen. Am Anfang war das noch recht leicht, da in den meisten Gebäuden kein Empfang war und so zum Telefonieren immer ins Freie gegangen werden musste. Mit dem zunehmenden Netzausbau wurde es dann immer schwieriger, und ich bekam auch erste Probleme, wenn ich mich in der Nähe von Sendeanlagen aufhielt. 2002 gipfelte dieser Zustand in einem Zusammenbruch am Frankfurter Flughafen. Ich war gerade dabei mein Gepäck vom Band zu holen, als ich auf einmal massive Sehstörungen, gefolgt von Sprach- und Herzrhythmusstörungen bekam. Ich wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, und dort konnte alles gut dokumentiert werden. Die Ursache lag in der starken Mikrowellenbelastung durch die vielen Sendeanlagen am Flughafen. Schnell war klar, dass ich mein bisher gewohntes Leben so ohne weiteres nicht weiterführen konnte. Als ich aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wurde und ich mich über mehrere Wochen zu Hause nicht erholen konnte, wagte ich einen Versuch: Als es von den Kräften einigermaßen ging, fuhr ich mit dem Auto mitten in den Wald. Dort blieb ich und übernachtete mehr schlecht als recht auf dem Rücksitz. Das Erstaunliche geschah: Nach zwei Tagen im Wald war ich so fit, dass ich am dritten Tag wieder ins Büro fahren und arbeiten konnte. Am Abend nahm ich dann alle verfügbaren Messgeräte aus dem Betrieb mit in den Wald. Tatsächlich, es war dort kein Handyempfang, auch kein Fernsehen und nur ein schwaches Radiosignal. Da ich es erst nicht glauben wollte, dass irgendwelche Funksysteme solche Auswirkungen auf meinen Körper haben, wiederholte ich diese Art von Tests auch mehrere Male. Die Sache wurde immer klarer: Der digital gepulste Funk verträgt sich nicht mit biologischen Systemen. Ich begann der Sache nachzugehen und fand über die Jahre sehr viele Studien, die all das belegen. Zudem lernte ich immer mehr Betroffene kennen. Am Anfang waren das vor allem Techniker, Ingenieure und Betriebspersonal von Sendeanlagen. Im Laufe der Jahre kamen aber immer mehr Menschen aus einem nicht technischen Lebensumfeld dazu. Alle hatten aber eines gemeinsam: Sie lebten entweder in der Nähe von Sendeanlagen oder hatten ohne es zu wissen selber einen Sender im Haus z.B. in Form eines Schnurlostelefons nach DECT und/oder W-LAN. Um dieses Wissen unter die Menschen zu bringen, begann ich damit, öffentliche Vorträge zu halten und die nichtsahnenden Mitbürger zu warnen.
Um meinen Kräfteverfall zu stoppen, entschied ich mich, einen Wohnwagen zu kaufen und mit diesem in den wenigen Funklöchern Deutschlands zu leben. Dadurch habe ich die nötigen Erholungsmöglichkeiten, um wenigstens zeitweise in verstrahltes Gebiet zurückzukehren. Ein weiteres Hilfsmittel dafür stellt der Strahlenschutzanzug dar, den ich ab Verlassen des Funkloches ebenfalls trage. Durch den schnellen Netzausbau und das entsprechende Fortschreiten meiner Krankheit war es mir nicht mehr möglich, meinen Betrieb weiter zu führen. Ich musste alle Mitarbeiter entlassen und die Geschäftstätigkeit einstellen. Das, was ich zum Leben brauche, bekomme ich immer wieder geschenkt. Trotz dieser Umstände ist es mir wichtig, all die Arbeit ehrenamtlich zu tun. Besonders am Herzen sind mir die Kinder und Jugendlichen, die heute den Großteil dieser gefährlichen Technologien nutzen und dadurch immer mehr erkranken, oft unerkannt, dass es von ihrem geliebten Handy her kommt. Für die Aufklärungsarbeit an den Schulen setze ich meine meiste verbleibende Kraft ein. An nächster Stelle kommt dann schon der Kampf um die letzten Funklöcher. Dies ist besonders wichtig, um den Betroffenen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Zudem wäre es vielen möglich, ihre Berufe weiter ausüben, wenn sie rechtzeitig umziehen könnten. Auch die Last, die auf vielen Familien mit erkrankten Mitgliedern liegt, wäre dadurch für alle leichter zu tragen. Um diese Aufgabe zu bewältigen und auf mehrere Schultern zu stellen, bin ich Mitbegründer des Aktionsbündnisses für Strahlungsfreie Lebensräume e.V. (www.ab-strahl.de) Dort finden sich immer mehr Betroffene und solche, die nicht durch die Technik geschädigt werden wollen, zusammen. Auch dort wird jede Hilfe und Unterstützung gebraucht. Weitere Details über mein Leben und meine Arbeit finden sich auf dieser Internetseite.

